“Eine unglaubliche Geschichte” Teil 5
25.08.2008 - 10:08:46 in Eine unglaubliche GeschichteKeine Kommentare
Sie kam näher an mich heran und blickte sich nach links und rechts um. “Ich könnte den ganzen Vorfall natürlich vergessen, wenn Sie versprechen, niemandem davon zu erzählen.” flüsterte sie. “Oh…äh…ja natürlich..” stammelte ich unsicher. “Natürlich geht das nicht ohne eine kleine Gegenleistung, Sie verstehen?” fuhr sie fort. “Ja, äh nein, nicht ganz.” antwortete ich. “Sehen Sie,” erklärte das Mädchen “wie wäre es denn, wenn Sie…
…mir eine Geschichte vorlesen würden? Vielleicht die von den sieben Geislein, oder die vom Rotkäppchen?” Ich riss die Augen weit auf :”Sind Sie verrückt? Sie wissen doch wie gefährlich es ist, Märchen zu hören? Sie könnten fortgerissen werden!” “Psscht..!” machte das Mädchen “Ich weiss! Doch ich wünsche es mir so sehr. Seit acht Jahren bin ich nun auf der Welt und seit acht Jahren hänge ich hier in diesem Beamtenjob fest. Wenn ich doch nur fortgerissen würde, eintauchen könnte in die zweite Welt, wie jene, die schon zuvor gingen…” Sie fing nun an leise zu schluchzen. Da bekam ich Mitleid und zog mein kleines Märchenbuch aus der Tasche, ich hatte es noch immer bei mir. Früher, als ich noch jung war, hatte ich öfters Menschen damit zur Flucht verholfen. Doch heute war es mir zu gefährlich geworden. Doch als Dank für ihre Hilfe, wollte ich es noch ein letztes Mal wagen.
Wir kauerten uns in eine dunkle Ecke in der Apsis der Küche und nachdem ich mir die Ohren mit Wachs verstopft hatte, begann ich leise zu lesen. Schon nach wenigen Sätzen war das Mädchen verschwunden. Ich las zur Sicherheit noch ein paar Sätze weiter, klappte dann das Buch zu und steckte es zurück in die Manteltasche. Ich hatte Glück gehabt, hätte das Mädchen wirklich die Polizei verständigt, wäre es wohl aus gewesen für mich, mein Backofen ist ja nicht einmal angemeldet.
Ich kauerte noch verträumt auf dem Fußboden, als plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm die Küche erzittern ließ. Aus dem vorderen Teil der Küche hörte man Jubel und Applaus, Lachen und Singen. Ich kroch bäuchlings über den Boden um etwas erkennen zu können. Die Blaskapelle marschierte, ein Kinderchor sang, alte Weiber weinten, man tanzte. Mehrere kleine Vögel schrieben verschiedene schwedische Vokabeln in den Himmel, ein alter Fuchs briet Hühnchen während ein Zauberer lange Dinosaurierschwänze aus Zuckerwatte und Elfenbein flocht und ein junges Hündchen Feuer spie. Ein wahres Volksfest in meiner Küche!
Fortsetzung folgt
